Erfahrungen mit der Gemeinwohl-Ökonomie

Wir von Jumbograshecke.com wollen heute einen Einblick in die Welt der Gemeinwohl-Ökonomie geben. Als Marke von Der Service Gärtner dürfen wir die Erfahrungen des gärtnerischen Betriebs zu diesem Thema weitergeben. Der Service Gärtner beschäftigt sich ja schon länger damit und hat inzwischen auch einen Einstiegs-Bericht erstellt. Heute werfen wir daher einen Blick auf dieses alternative Wirtschaftsmodell – Hintergründe, Erfahrungen und Meinungen.

 

Ein erster Einblick in die Gemeinwohl-Ökonomie

Dieses alternative Wirtschaftsmodell  ist auf gemeinwohlfördernden Werten aufgebaut. Fairnes, Nachhaltigkeit, Demokratie und ein gutes Leben für alle Lebewesen und die Erde – diese Werte werden unterstützt (bzw eine Veränderung in deren Richtung) und anhand einer vorgegebenen Matrix bewertet. Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) gilt für Private ebenso wie für Gemeinden, Schulen, Unternehmen und Vereine. Sie alle könne einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.

Jumbograshecke
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Es werden wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch Impulse gesetzt:

wirtschaftlich: Das Modell ist für alle gültig: Unternehmen, Schule, Gemeinde; unabhängig von Größe und Rechtsform.

politisch: Die rechtlichen Veränderungen und Rahmenbedingung werden hier festgehalten. Die Standards bezüglich Fairness, Menschenwürde, Mitbestimmung und Solidarität, Gerechtigkeit sowie Nachhaltigkeit sollen langfristig auch in der Verfassung verankert sein.

gesellschaftlich: hier gehts um Bewusstseinsbildung, Mut geben, wertschätzend sein  und um die Vernetzung mit Initiatien die ähnliche Ziele verfolgen.

Die Gemeinwohl-Matrix  ist eines der wichtigsten Arbeitsgeräte. Hier sind die zu bewertenden Kriterien festgehalten. Privatpersonen sehen anhand des Gemeinwohl-Selbsttests wie stark ihr „WIR-Bewusstsein“ ausgeprägt ist. Das ganze dauert nicht einmal eine halbe Stunde. Unternehmen, Gemeinden oder Vereine und Schulen habens da schon schwerer. Sie erstellen einen Bericht oder eine Gemeinwohl-Bilanz. Man bewertet sich selbst mithilfe eines Punktesystem, anschließend kann man das ganze extern überprüfen lassen – hat man dies getan darf man Bericht oder Bilanz veröffentlichen und folgt einem wichtigen Wunsch der Bewegung – der Transparenz.

Gemeinwohlunternehmen sollen langfristig gesehen besondere rechtliche Vorteile genießen: zB.: weniger Steuern zahlen oder besondere Konditionen bei Krediten bekommen, auch bei öffentlichen Aufträgen sollen diese Unternehmen den Anderen vorgezogen werden. Im Idealfall sollen die erwirtschafteten Gewinne nicht an Externe ausgeschüttet werden sondern das Unternehmen stärken. Wir werden sehen ob der Zwang zum Wirtschaftswachstum tatsächlich aufhört, ob Unternehmer kooperativer und kreativer werden oder ob der Handel faierer wird. Dadurch wird auch ein erfüllteres Leben erhofft.

Demokratische Prozesse haben einen hohen Stellenwert in der Gemeinwohl-Ökonomie. So kann jeder seine Ideen einbringen über die dann entsprechend entschieden wird. Wie oben schon angesprochen soll, nach dem die GWÖ alle Hürden genommen hat, von uns (wir der Souverän, das Volk) über dieses alternative Wirtschaftsmodell abgestimmt werden um es in der Verfassung zu verankern.

 

Wie kam der Service Gärtner zu dieser alternativen Wirtschaftsform?

Wertschätzender Umgang, Umweltschutz, Mitarbeiterförderung oder Corporate Social Responsibility (CSR) hat sich Der Service Gärtner schon bei der Firmengründung auf die Fahnen geheftet. Man ist Klimabündnisbetrieb und hat den Fuhrpark zu 4/5 auf alternative Antriebe umgestellt. Im Büro werden nicht nur Papiere gespart sonden auch umweltfreundliche verwendet und der CO2-Ausstoß ist selbstverständlich auch bekannt. So war klar das eine Gemeinwohl-Bilanz überfällig ist.

 

Was sagen die Service Gärtner selbst dazu?

Als wir das erste Mal mit der Gemeinwohl-Ökonomie in Berührung kamen waren wir neugierig. Was ist das für eine Möglichkeit mit der man der Öffentlichkeit zeigen kann was man im Betrieb so macht? Sehr schnell wurden wir überzeugt davon, dass das auch etwas für uns sein könnte. Allerdings hat da noch niemand geahnt wieviel Arbeit in der Erstellung einer Bilanz steckt. 40-60h als Richtwerte klingen nicht viel, aber wir haben ja auch mehr als das Doppelte an Zeit investiert.

BMWi3 Service Gärtner
BMWi3 Service Gärtner

Das man sich selbst bewertet macht es auch nicht unbedingt leichter – das Punktesystem scheint am Anfang kompliziert zu sein, doch man kommt ganz schnell dahinter und dann gehts ganz gut. Nur, wie schätzt man sein Unternehmen nun ein? Da kann man wie wir feststellten gar nichts falsch machen denn bei der externen Überprüfung sagen die AuditorInnen einem dann schon wo man sich ruhig höher einstufen darf bzw wo man sich nicht 100 Punkte geben darf weils noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Ein schöner Lernprozess.

Eh klar das wir gleich mit einer Bilanz durchstarten wollten: Unterlagen zusammen sammeln, Energiekreis-Treffen besuchen, Hilfe der erfahrenen Bilanzierer annehmen. Vieles wurde auch alleine durchgearbeitet und am Ende waren wir uns sicher: Unsere Bilanz ist fertig! Allerdings war dem nicht so – die Beweise für manches was wir taten fehlten, einige Fragen waren unbeantwortet geblieben. Das gab uns einen kleinen Dämpfer, den schließlich haben wir schon viele Stunden investiert. Wir beschlossen erstmal Abstand zu nehmen und liesen die Bilanz fast ein ganzes Jahr liegen. Stattdessen machten wir einen Einstiegs-Bericht den wir auch extern prüfen liesen und lasen uns durch das Handbuch (ein sehr gutes Hilfsmittel!). So kam die Freude an der Bilanz weiter zuarbeiten zurück und wir konnten sie fürs Jahr 2014 vorbereiten. Im nächsten Frühjahr werden wir dann unsere erste „große“ Bilanz veröffentlichen.

Nicht alles ist eitel Wonne in der Gemeinwohl-Ökonomie:

Auch wenn die GWÖ für alle gilt, sie wird nicht für alle etwas sein. Unter den Negativ-Kriterien sind einige besondere Punkte die manchen Unternehmen viel abverlangen werden. Am Beispiel Atomstrom oder auch Kohlewerke sieht man das: sie fallen unter menschenunwürdige Produkte und bekommen 200 Minuspunkte.  Als Unternehmer muss man das also recht gut argumentieren können und viel in die Positivkriterien investieren um einen guten Wert zu bekommen.

Auch Kritische Stimmen sollen hier zu Wort kommen: Die Julius Raab Stiftung hat sich Beispielsweise dem Thema mehrfach gewidmet: Einmal im „Anschlag auf unseren Wohlstand ?“ und weiters auch eine kritische Betrachtung von Dr. René Schmidpeter. Sie zeigen  die negativen Seiten dieses Wirtschaftsmodells bzw. das einige Ansätze neu überdacht  werden sollten – Genannt seien Enteignung, Beschränkung der Freiheit des Einzelnen. Streng weitergedacht kommt man bis zur Diktatur – soweit soll es nicht kommen = der Weg bis diese Wirtschaftsform rund um den Globus gültig sein wird ist also noch weit.

 

Warum erstellt nun jemand eine Gemeinwohl-Bilanz?

In erster Linie um zu zeigen was sein Unternehmen nebenbei noch tut. Es geht um Sichtbar machen und Tranparenz. Oft ist es ja so, das man intern vieles lebt, doch es bleibt für Außenstehende unsichtbar. Die Bilanz hilft zu zeigen was das Unternehmen nicht nur für die Wirtschaft leistet sondern auch für die Mitarbeiter und sein Umfeld. Man teilt die Visionen und tauscht sich aus.
Weiters sieht man sein Verbesserungspotenzial – man meint vielleicht, das man manches eh schon perfekt macht doch die Matrix zeigt einem wie man sich noch verbessern kann. Sinn der Sache ist sicher nicht das man von vornherein alles perfekt macht. Ziele setzen und den Weg gehen lautet das Motto.

Stefi Wassermann, GTM

DSG Mondseeland

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